Mit der Natur

In Zell am See-Kaprun

Grüne Zukunft. Soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Umweltfreundliche Anreise. Winterurlaub im Einklang mit der Natur. Zell am See-Kaprun schreibt sich große Worte auf die Fahnen. Dabei lässt sich gerade der Wintersport nur schwierig nachhaltig gestalten. Kreativität, Geduld und letztlich auch ein Umdenken soll den Wandel einleiten. Wir waren vor Ort und haben uns angeschaut, wie so ein Winterurlaub aussehen kann.

Kein Verzicht – Natur für alle!

Ja, auch im Salzburgerland sei der Klimawandel angekommen. Zwar falle noch genug Naturschnee, berichtet Moritz Skolaut, aber schneearme Phasen werden zur Regel. Der Nachhaltigkeitsmanager ist auch Projektverantwortlicher für die Zertifizierung der Region für das Österreichische Umweltzeichen für Destinationen. Ein Job, der Fingerspitzengefühl und Geduld erfordert. Denn Kommunikation sei alles, ist er sich sicher – auch wenn diese nicht immer einfach ist.


Die Natur in Zell am See-Kaprun ist gleichzeitig Basis und Kapital für die Tourismusregion. Früher war es noch die Landwirtschaft. Mit der Erschließung der Skigebiete, allen voran dem Gletscher am Kitzsteinhorn, änderte sich das. „Wir haben alle gute Gründe die Natur für unsere Zwecke zu nutzen. Die Aufgabe ist nun, alle Parteien an einen Tisch zu bekommen.“ Natur schützen. Natur nutzen. Da gehe es natürlich um die Skigebiete, aber auch um land- und forstwirtschaftlich genutzte Gebiete. Da gehe es um Energiegewinnung, allen voran die Wasserkraft, um Mobilität und um soziale Nachhaltigkeit. Mit letzterer unterstreicht Skolaut die Region als lukrativen Lebens- und Arbeitsraum gleichermaßen. „Durch verantwortungsbewusstes Handeln in einer inklusiven, gerechten und engagierten Gemeinschaft, setzen wir uns beispielsweise dafür ein, aus einem Arbeitsplatz auch den idealen Lebensraum zu schaffen.“ Das Gesamtkonzept klingt durchdacht.

Wir sitzen im Foyer des Tauern SPA, einer fulminanten Spa-, Wasser- und Saunawelt mit 4****s-Wellness-Hotel, grandioser Küche und wunderbaren Natur- & Gartenzimmern, die einen beeindruckenden Blick in die Bergwelt erlauben. Hinter Skolaut kann ich durch die Panoramafenster das Kitzsteinhorn entdecken. Wie eine Haifischflosse streckt sich dieser kecke Gipfel 3203 Meter in den Himmel. Als Teil der Hohen Tauern, gehört er zur Glocknergruppe. Hier, am höchsten Punkt des Skigebietes, ragt eine Aussichtsplattform in die Weite, erzählt Skolaut. 3029 Meter hoch gelegen. Darunter das Schmiedingerkees. Der Gletscher sei zweifelsfrei ein Besuchermagnet. Der Wintertourismus zähle auf dieses Juwel. Doch die Tage des Schmiedingerkees sind gezählt. In einer einzigen Saison zog sich das Eis mehr als 50 Meter zurück. Bleibt es bei dieser Geschwindigkeit, ist es in ein oder zwei Jahrzehnten gänzlich verschwunden. 


Den Kopf in den Sand steckt in Zell am See-Kaprun dennoch niemand. Besonders nicht Skolaut. Ihm geht es darum, den Wandel früh zu erkennen und geschickt darauf zu reagieren. Und glaubt man dem Nachhaltigkeitsmanager, so kommt es schon zu einer Veränderung. Der Tourismus habe sich gewandelt. „Es geht nicht mehr darum, so viel Zeit wie möglich auf der Piste zu verbringen. Es geht mittlerweile mehr darum, die Region mit all ihren Facetten kennenzulernen.“ Und dazu gehöre natürlich auch die Natur, sommers wie winters. Schnee hin oder her. 

Top of Salzburg!

Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen und machen uns selbst ein Bild. Das kleine Örtchen Kaprun liegt südlich des Zeller Sees, auf lediglich knapp 800 Metern. Mit der 3K K-onnection, der Seilbahnverbindung Kaprun-Maiskogel-Kitzsteinhorn schweben wir direkt vom Ortszentrum über zwei Seilbahnen ins Skigebiet Kitzsteinhorn. Die längste Seilbahnachse der Ostalpen. Wenig später genießen wir den Blick von der Aussichtsplattform. 3029 Meter hoch. Top of Salzburg!


Das Schmiedingerkees liegt tatsächlich wie ein weißer Teppich vor uns. Endlosbreite Pisten. Perfekt geneigt. Aussichtsreich. Skolaut hatte Recht: Das ist Sonnenskifahren der Extraklasse. Damit das auch so nachhaltig wie möglich abläuft, werden alle Seilbahnen hier oben, alle Lifte und Gastronomiebetriebe zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt. Die Pistenraupen fahren mit einem Dieselersatz, der 90 Prozent weniger Kohlendioxid freigibt. Und seit 2012 gibt es einen unbefristeten Partnerschaftsvertrag zwischen den Kapruner Gletscherbahnen und dem Nationalpark Hohe Tauern. Dabei geht es um den wechselseitigen Wissenstransfer sowie um die Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung für die Nationalparkidee an einem Ort mit hoher internationaler Frequenz. Es gibt unzählige weitere Beispiele, die allesamt zeigen, dass die Mammutaufgabe Klima- und Tourismuswandel mit Eifer und Motivation angegangen, sie sogar als Chance wahrgenommen wird. 


Ein schönes Beispiel ist die Nationalpark Gallery im Inneren des Kitzsteinhorns. Der 360 Meter lange Tunnel führt uns ins Dunkle und Mystische, aber auch in eine Welt voller Informationen. Spannend ausgeschmückt, erfährt man auf dem außergewöhnlichen Spaziergang alles über die Geschichte, die moderne Technik, über Gold und Edelsteine, Permafrost und die Gletscher der Hohen Tauern. Am Ende spuckt uns der Stollen auf einer weiteren spektakulären Aussichtsplattform wieder ans Tageslicht. Die gleißend hellen Eisfelder blenden. Doch der Blick tief in den größten Nationalpark ist überwältigend. 



„Gipfelwelt 3000“ – Salzburgs höchstgelegenes Ausflugsziel auf 3.029 Metern – ist gut besucht. Dabei ist der Schnee draußen perfekt. Es scheint die warme Sonne. Skifahrer, die ihre Bretter auch mal zur Seite gestellt haben, Spaziergänger, Winterwanderer, Familien mit Kindern. Sie alle genießen die Ausblicke, erkunden den Stollen, schauen Filme im Cinema 3000 und tauchen so auch bei schlechtem Wetter in die Schönheit der Natur ein. Skolaut behält Recht. Das Konzept geht auf. Heute wollen Einheimische wie Gäste nicht nur auf die Pisten. Sie wollen lernen, mehr erfahren und spüren, wo sie wirklich sind. 


(...)

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