Hinter der Linse: Christoph Johann

Seine Bilder beschreibt Christoph Johann wie Gemälde, deren letzten Pinselstrich die Athleten selbst setzen – das eigentliche Tüpfelchen auf dem i. Zuvor gilt es für den jungen Fotografen, die Landschaft zu lesen. Spontanität, Geschwindigkeit, Erfahrung und nicht zuletzt ein Quäntchen Glück entscheiden schließlich darüber, ob das Bild wirkt. „Wenn Menschen ihre Handys weglegen und wieder in die Berge gehen, dort Freude und Freiheit finden, dann habe ich meine Arbeit gut gemacht.“

Hallo Christoph, deine Bilder verraten, dass du ein Wintermensch bist.


Das stimmt eigentlich gar nicht. Der Winter ist für mich oft einfach nur wahnsinnig anstrengend. Außerdem wohne ich in Salzburg – und hier ist der Winter meist eher grau und nass. Perfekt wäre für mich: Sommer in der Stadt und gleichzeitig Winter in den Bergen.


Trotzdem zeigen die meisten deiner Bilder die Schönheit der winterlichen Bergwelt.


Richtig. Das hängt auch damit zusammen, wie ich überhaupt zum Fotografieren gekommen bin. Ich bin in Ingolstadt aufgewachsen, hatte aber schon früh eine Verbindung zu den Bergen. Als Teenager saß ich jedes Wochenende mit meinem Bruder im Skibus. So richtig „klick“ gemacht hat es, als ich zum ersten Mal ins freie Gelände fuhr. Da entstand eine Passion. Anfangs hatten wir nur eine kleine Kamera dabei, eher zum Dokumentieren. Dass daraus irgendwann mein Beruf werden würde, war nie geplant.


Wie hat sich das entwickelt?


Zu Beginn kamen tatsächlich einige Kunden auf uns zu, die zum Beispiel ein Paar Ski in Szene setzen wollten. Das war damals natürlich großartig, denn ab und zu durften wir die Ski natürlich behalten. Mit der Zeit merkten wir aber, dass wir mit unserer Arbeit auch den Lebensunterhalt bestreiten konnten. Das war eine schöne Erfahrung, weil es funktionierte und nie wirklich ein großer Druck dahinter war.


Heute bist du 30 Jahre alt und hast Kunden mit Rang und Namen.


Ja, glücklicherweise. Zuvor habe ich beim Fernsehen als Kameramann und Cutter gearbeitet. Dadurch weiß ich einiges über Bildaufbau, Licht und alles, was für ein gutes Bild ausschlaggebend ist. Für meine Art der Fotografie ist es aber ebenso wichtig, sich in den winterlichen Hochalpen zurechtzufinden. Das ist die eigentliche Herausforderung: mit Athleten in steiles, ungesichertes Gelände zu gehen. Man muss in beiden Bereichen – fotografisch und alpin – absolut sicher sein. Diese Kombination ist tricky, macht den Job aber auch spannend.


Welche Erfahrungen hast du dabei gesammelt?


Vor allem, dass man am Ball bleiben muss. Es gab Phasen, in denen ich ins Zweifeln kam. Da braucht es Selbstmotivation und mentale Stärke. Einen kühlen Kopf zu bewahren, ist entscheidend – auch am Berg.


Wie meinst du das?


Ich erinnere mich an eine Situation an der Nordkette: Ich fuhr allein in eine falsche Rinne und stand plötzlich vor einem Felsabbruch – kein Weiterweg. Also musste ich den gesamten Hang mit Snowboardboots wieder aufsteigen, durch steiles, eisiges Gelände. Mir war klar: Jeder Schritt musste sitzen. Doch je länger ich unterwegs war, desto ruhiger wurde ich. Nach drei Stunden stand ich wieder oben – und war vollkommen tiefenentspannt.


Klingt so, als hättest du in sehr kurzer Zeit viel Erfahrung gesammelt?


Ja. Es gibt Saisonen mit über hundert Tagen am Berg. Mit 24 verbrachte ich eine ganze Saison in British Columbia – die wohl prägendste Zeit überhaupt. Das hat meine Entwicklung enorm beschleunigt.


Genau genommen bist du aber kein Skifahrer, sondern Snowboarder.


Stimmt. Aber das beißt sich nicht. Manchmal meckern Skifahrer, dass sie mich bei langen Traversen rausschieben müssen. Aber am Ende zählt nicht, ob man nun auf einem oder eben auf zwei Brettern steht. Wichtig ist: Wir wollen draußen eine gute Zeit haben. Und dafür ist das Splitboard genau das richtige. 


(...)

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